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Verstehen Hunde die Menschensprache? / Versteht Ihr Hund was Sie sagen?
Es gibt zwei Typen von Hundebesitzern. Die einen glauben, dass Hunde verstehen was man zu ihnen sagt und sich daraufhin ähnlich wie ein 1 bis 1,5 Jahre altes Kind verhalten. Die Anderen wiederum bestreiten, vielleicht aufgrund von negativen Erfahrungen, dass Hunde Wörter oder eine Sprache verstehen können.
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Letztere sind der Auffassung, dass Hunde nicht reagieren, weil sie das Wort oder den Satz, also eine Aufforderung, verstehen sondern sie reagieren auf Stimme und Betonung und ordnen dieses einer bestimmten Abfolge und einer bekannten Situation zu.
Das Wort 'Sitz' scharf betont und mit strengem Blick wird einen an Kommandos gewöhnten Hund in den meisten Fällen dazu veranlassen, zu sitzen. Ist das aber ein eindeutiges Zeichen des 'Verstehens' oder lediglich eine instinktive Reaktion? Ein weiterer Test wäre, dass wir nach einigen Minuten ein ähnlich klingendes Wort wie z.B. 'Schutz' verwenden. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sich die meisten Hunde wieder hinsetzen. Dieses scheint für viele Menschen ein Beweis zu sein, dass Hunde die menschliche Sprache nicht verstehen. Aber wie reagiert ein Kleinkind in derselben Situation?
Warum sprechen wir mit Hunden und was denken wir dabei?
Die Sprache ist ein artspezifisches Mittel menschlicher Kommunikation und wir nutzen dieses
zum Gedankenaustausch u.v.a.m. Oftmals ertappt man sich oder andere Menschen aber auch dabei, wie sie mit Tieren oder gar Objekten sprechen. Auch mein Kollege und Mitarbeiter Peter Pongrácz interessierte sich für die Frage, warum Hundebesitzer mit ihren Lieblingen sprechen. Um mehr über diese merkwürdige Gewohnheit von Hundebesitzern herauszufinden erstellte er einen Fragebogen. Er bat 38 Hundebesitzer um eine Liste mit Vokabeln, Ausdrucksweisen respektive Sätzen, welche diese häufig an ihre Hunde richten. Er zählte nicht nur die verbalen Signale und deren Länge, sondern ordnete sie auch verschiedenen Kategorien zu. Zum Beispiel den Ruf 'Komm!', Name des Hundes aber auch Verbote (Nein!, Hör auf! usw). Für die Körperhaltung 'Sitz!', Handlungen im Gegensatz zu Objekten wie 'Gehe zur Tür!', 'Bring deinen Ball!', Erlaubnis 'Das kannst du essen!', Fragen 'Was möchtest du machen?' und Informationen 'Da kommt jemand', 'Du bleibst zu Hause'.
Die meisten Besitzer waren mit ihrem Hund zufrieden, da dieser die meisten Begriffe 'verstanden'
und sich entsprechend verhalten hatte. Es wurden 430 verschiedene Begriffe, Ausdrücke und Wörter aufgezählt, die verbal an die Hunde gerichtet wurden. Die durchschnittliche Diskussion zwischen Halter und Hund bestand aus 29 Ausdrücken. Ein Halter führte 70 Ausdrücke auf, während einem anderen nur 7 einfielen. Diese Ausdrücke bestanden in den meisten Fällen nur aus einem Wort, dennoch wurden auch einige längere Sätze aufgeführt. Inhaltlich handelte es sich häufig um Objekte oder Verbote. Über 70% der Halter stellten häufig Fragen an ihren Hund oder gaben ihm eine verbale Situationsbeschreibung.
Insgesamt ergab sich, dass 50% der Tierhalter weniger als 12 Ausdrücke benutzen. Dies ist wohl das Mindestvokabular für eine Hund-Menschkommunikation, wenn wir annehmen, dass es sich um einen Familienhund handelt, der im Wohnbereich mit seinen Menschen lebt.
Weiterhin ist interessant, dass Hunde die verbale Synomie registrieren. Viele Besitzer nutzen unterschiedliche Ausdrücke für denselben Sachverhalt und das kann nur bedeuten, dass die Hunde nicht auf das einzelne Wort reagieren sondern, dass die Situation im Zusammenhang unter Berücksichtigung des Verhaltens ihrer Besitzer jeweils ihren Reaktionen vorausgeht.
Durch diese Forschungsergebnisse gewinnen wir den Eindruck, dass die Halter einen 'Dialog' mit dem Hund als absolut natürlich ansehen. Wir gehen davon aus, dass Hunde nicht über ein sehr 'reichhaltiges Vokabular' verfügen. Dieses Forschungsergebnis spiegelt lediglich die Sicht der Hundebesitzer.
Was verstehen die Hunde "wirklich"?
Das Vokabel 'Sitz!' hat unterschiedliche Bedeutungen aber ich weiss, dass ein anderer Mensch es verstehen würde wenn die Intention im Vorfeld feststeht, da aus der Situation resultierend eine gewisse Erwartungshaltung besteht.
Demnach können wir nur dann von Verstand sprechen, wenn die 'Gesprächspartner' dem Wort
beide dieselbe Bedeutung zuordnen können. Auch der Mensch ist in der Lage, neue Sprachen zu erlernen, sogar sich auch ohne diese Sprachkenntnisse in kritischen Situationen verständigen zu können. Hier dient immer die Muttersprache als Basis. Hunde verfügen nicht über eine der unseren ähnliche Basissprache. Wenn ich also 'Sitz!' zu meinem Hund sage, wird er sich setzen – ich bin ja zufrieden – weil er sich erinnert, dass er beim letzten Mal auf diesen Laut reagierte und seine Aktion meinen Erwartungen entsprach oder es hätte sollen. Unterstreichen können wir diese verbalen Gedanken mit Belohnung oder Strafe. (Verhaltensanalysen haben auch beim Menschen bestätigt, dass man nicht immer ein Verhalten beeinflussen muss, um eine gewünschte Reaktion zu erzielen.) Für Hunde sind unsere Worte oder Sätze wichtige verbale Signale, analog der Gestik welche ein Polizist benutzt, wenn er den Straßenverkehr in einer Kreuzung dirigiert. Bereits 1928 wurden Versuche gemacht, um die Fähigkeit der Hunde auf das Verstehen verbaler Signale zu untersuchen. Die US-Amerikanischen Forscher Prof. Warden und Warner sprachen nicht über das 'Verständnis' der Hunde sondern sie verwiesen auf die Reaktion des Hundes im Zusammenhang mit verbalen Signalen des Menschen. In diesem Versuch wurde ein Deutscher Schäferhund namens Fellow (Freund, Kumpel), der als 'Film- und Bühnendarsteller' ausgebildet war. Der Besitzer Jacob Herbert erklärte, dass er mit dem Hund von Anbeginn so gesprochen habe, als wäre dieser ein Kind. Seiner Meinung nach müsse der Hund ca. 400 Wörter und Ausdrücke kennen. Er wüsste nur zu gerne, ob der Hund wirklich aufgrund der Worte reagiert oder auch andere Formen verbaler Signale und die Körpersprache des Halters berücksichtigt. J. Herbert und die Wissenschaftler beschließen, die Fähigkeiten des Hundes in einem Versuch zu analysieren. Insgesamt 10 Gegenstände, dessen Namen Fellow kennen sollte, hatte man benutzt. In Einzeltests hat ein Wissenschaftler 3 dieser Gegenstände in einem Zimmer versteckt, während
J. Herbert seinen Hund in einem anderen Zimmer beschäftigte. Danach forderte J. Herbert seinen Hunde auf, einen der versteckten Gegenstände zu holen. In diesem Falle kann die Körpersprache des Halters keinen Einfluss gehabt haben, hier musste der Hund anhand der verbalen Bezeichnung den richtigen Gegenstand erkennen. Insgesamt wurden 36 dieser Erkennungstests gemacht. Eine einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung zeigt, dass für einen Hund der keines der Wörter verstanden hat, eine mathematische Chance, zufällig 12 'richtige Objekte' zu holen, besteht. Fellows Ergebnisse lagen aber über dieser Rechnung, er hatte 18 Mal die richtigen Gegenstände erkannt und seinem Besitzer gebracht. Hierdurch kann wissenschaftlich belegt werden, dass der Hund wirklich in der Lage war, Gegenstände anhand menschlicher Worte zu erkennen und diese seinem Besitzer zu bringen. Weitere Versuche haben gezeigt, dass Fellow auch in der Lage war andere Befehle auszuführen wenn sein Besitzer nicht in Sichtweite war. Der gut trainierte Hund drehte sich um, legte sich hin, schaute nach oben, bellte, sprang, usw. bei Aufforderung seines Halters, auch wenn dieser hinter von Wand verdeckt war. Ich bin überzeugt, dass Fellow im eigentlichen Sinne kein außergewöhnlicher Hund war sondern dass viele Hunde etliche Wörter verstehen. Anfang der 90-er Jahre hat Cyrille Young mit 3 Hunden einen ähnlichen Test gemacht. Auch diese Ergebnisse demonstrieren die Fähigkeit vieler Hunde, anhand von Wörtern Gegenstände zu 'apportieren'.
Verstehen ohne Sprache
Die meisten Versuche mit ausgebildeten Hunden haben gezeigt, dass der Mensch das Verhalten der Hunde mit verbalen Signalen beeinflussen kann. Dennoch wurde nie nachgewiesen, dass Hunde unsere Sprache verstehen. Dies erscheint auch logisch, da hier sehr unterschiedliche evolutionäre Vorgeschichten zugrunde liegen. Natürlich sprechen wir auch zu Hunden aber dies ist nicht vergleichbar mit unserem Sprachverhalten z.B. gegenüber einem Kind. Mit einem Hund können wir über viele Dinge nicht sprechen (u.a. ist ihr Interesse an Anschaffungen nicht so ausgeprägt wir unseres). Bei einem Hund kommen wir der Wahrheit näher, wenn wir nicht von Sprachverstehen sondern sozialem Verständnis sprechen, d.h. ein Hund eruiert zuerst umfassend die Gesamtsituation bevor er eine Entscheidung trifft. Für Hunde ist das gesprochene Wort nur eine von vielen Möglichkeiten, um das Verhalten von Menschen einzuordnen. Vermutlich genetisch bedingt ist unsere Körpersprache für Hunde eine wichtigere Signalquelle. Aber auch viele Menschen halten 'Körpersignale' für die ehrlichere Sprache im Vergleich zu Worten, die leicht manipuliert sein können. Ob die Hunde für sich befunden haben, dass wir Menschen 'lügende Tiere' sind, weiss ich nicht ...
Versteht mein Hund Wörter?
Jeder der denkt, dass sein Hund ein Talent für das Erlernen von Worten besitzt, kann diese Leistung in einem einfachen Test prüfen. Zuerst stellen wir eine Liste von Gegenständen zusammen, die der Hund angeblich kennt. (Wir setzen voraus, dass der Hund Gegenstände auf Kommando bringt.) Dann legen wir einen dieser Gegenstände in ca. 2-3 m Entfernung auf den Boden und fordern den Hund auf, den Gegenstand zu holen. Wir geben nur simple Befehle wie 'Bring Schuh!' (ohne Berücksichtigung der Grammatik). Wir stehen mit dem Rücken zum Objekt und haben den Hund vor uns, während wir das Kommando erteilen. Wir müssen diese Übung mehrfach wiederholen, bevor der Hund die neue Situation realisiert. Erst danach können wir zu
schwierigeren Übungen mit einem anderen Gegenstand übergehen.
Es ist wichtig den Hund für die gute Leistung zu belohnen. Ich meine, die beste Belohnung ist ein kurzes Spiel, aber in diesem Falle verwenden Sie immer ein Spielzeug welches nicht in dem Versuch benutzt wurde, denn sonst könnte der Hund immer dieses auswählen. Man kann auch eine Belohnung in Form von Futter geben, dieses aber nicht aus der Hand geben, sondern verstecken und zu gegebener Zeit hervorholen.
Bei zwei Gegenständen hat der Hund eine 50%-ige Chance den richtigen auszuwählen. Um sicher zu sein ob es sich um Zufallstreffer handelt oder ob der Hund tatsächlich die Wörter versteht müssen wir immer mehrere Tests machen und dabei herausfinden ob unser Hund 8 aus 10 oder
16 aus 20 'Treffer landet'. Wir sollten den Hund dabei auf keinen Fall überfordern. Für einen nicht ständig trainierten Hund sind 4 – 5 Tests schon viel. Nach dem Anfangstraining kann man auch täglich nur noch eine Übung machen. Die Leistung des Hundes und die gewählten Gegenstände sollten wir schriftlich festhalten. Natürlich können wir von Test zu Test unterschiedliche Gegenstände verwenden.
Zum Autor:
Dr. Ádám Miklosi ist ein international anerkannter Ethologe der Eötvös Lorand University, Budapest/Ungarn. Dr. Miklosi leitet Forschungsarbeiten auf den Gebieten der experimentellen Verhaltensanalyse, Verhaltensgenetik, Neuroethologie und des sozialen Lernens.
Überarbeitet von tierkrankenkasse.net